Die Weiterentwicklung vom Verkehrs- zum Mobilitätsdienstleister ist eine der zentralen Aufgaben für Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) und seit dem 01.01.2020 in der Verbandsordnung festgeschrieben. Wurde der ZVSN bislang vornehmlich für die Organisation der "Alltagsverkehre" in der Schülerbeförderung/ für den Ausbildungsverkehr im Bereich der Landkreise Göttingen, Northeim und Holzminden wahrgenommen, so besteht nunmehr die zusätzliche Aufgabenstellung, den Öffentlichen Nahverkehr als eine wichtige Säule zur Sicherstellung einer vernetzten Mobilität auszubauen. In der vom demografischen Wandel gekennzeichneten und sehr flächenhaften Region bestehen hierbei besondere Herausforderungen.
Mit der finanziellen Unterstützung der Europäischen Union wurde deshalb beim ZVSN die Stelle eines Mobilitätsmanagers geschaffen, die zukünftig mit dazu beiträgt, dass der ZVSN den Schritt vom Verkehrs- zum Mobilitätsdienstleister vollzieht und die regionalen Herausforderungen aktiv angeht.
Der ZVSN steht nunmehr regionalen Akteuren im Bereich Mobilität (z.B. Verkehrsfachverbände, Bürgerinitiativen, Agenda21-Gruppen) beratend zur Seite. Der ZVSN organisiert hierzu fortlaufend Fachveranstaltungen, auf denen die aktuellen Erkenntnisse wissenschaftlich betrachtet und neue Perspektiven für eine nachhaltige Mobilität beispielgebend aufgezeigt werden. Die Zusammenarbeit mit regionalen Verkehrsunternehmen und Verwaltungen gehört ebenso zu den Aufgaben der Mobilitätsberatung wie der Aufbau und die Pflege/ Vernetzung zu landesbedeutsamen Akteuren im Bereich "Klimaschutz & Mobilität".
Die ZVSN-Mobilitätsberatung wird zudem die im ZVSN-Nahverkehrsplan beschlossenen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV in den betroffenen Regionen begleiten und für die neuen Kundengruppen zugänglich machen. Dies geschieht beispielsweise über Mobilitätsberatungen in/an öffentlichen Einrichtungen, z.B. Rathäuser, Gemeindeverwaltungen, oder aber an Orten der Versorgung (z.B. Einkaufsmärkte), Schulen oder Seniorenwohnheime/ Seniorentreffs, Krankenhäuser. Die ZVSN-Mobilitätsberatung ist zudem im Aufbau und der Begleitung des ZVSN-Fahrgastbeirates beteiligt.
In Zeiten, in denen Vielfalt und Unterschiedlichkeit scheinbar von immer mehr Menschen per se als etwas Negatives oder Bedrohliches wahrgenommen werden, erscheint es angebracht, diesem Trend etwas entgegenzusetzen. Um allerdings entgegenwirken zu können muss man zuerst verstehen, warum es dazu kommt. Mithin stellt sich die Frage, woraus resultieren diese negativen Assoziationen und Ängste. Die Ursachen der negativen Assoziationen bzw. gefühlten Ängste sind sehr vielfältig. Mögliche Ursachen können dabei (a) „das Andere“ an sich sein sowie (b) die Sorge darüber, mit den Veränderungen bzw. Einflüssen, die durch andere Lebensweisen und Einstellungen auf einen von außen einwirken, nicht adäquat umgehen zu können. (a) Das Andere wird in vielen Fällen in Abgrenzung zu sich selbst wahrgenommen, definiert und kategorisiert (vgl. Said, Edward (1978/1995). Orientalism. London). Nicht selten entsteht folglich eine Art Dualismus, bei dem beide Seiten, das Eigene und das Andere, keine Berührungspunkte zu besitzen scheinen, sondern eine strikte Trennung aufweisen. Beide Seiten wirken nicht vereinbar oder nur zu dem Preis, Teile der eigenen Seite und Identität preiszugeben. Pointiert gesagt entsteht der Eindruck, dass das Andere einfach nicht zur eigenen Welt passt. Dabei beruht die empfundene Verschiedenheit häufig nur auf einem Bild, das man sich selbst im Kopf von dem Anderen gemacht hat, ohne das Andere wirklich zu kennen, geschweige denn zu verstehen. Die daraus resultierenden Ängste und Ablehnungen entbehren somit in vielen Fällen jeglicher rationalen Grundlage. Trotzdem existieren sie und müssen ernst genommen werden. Würde man das Andere besser kennen, könnten viele dieser irrationalen Vorurteile und Ängste aufgebrochen bzw. aufgelöst werden. (b) Einflüssen, aus denen Veränderungen für einen selbst und sein Leben resultieren, unterliegen Menschen schon immer. Aber spätestens mit der Postmoderne brachen viele der zuvor bestehenden Strukturen und Regeln auf, die auch wenn sie zuvor den Einzelnen in seiner Freiheit einschränkten, so aber doch der Orientierung und Stabilisierung dienten. Im Zuge, wie diese festen Strukturen weniger wurden, nahmen sowohl die eigenen Möglichkeiten, das Leben zu gestalten zu wie auch die Faktoren, die ohne Zutun Einfluss auf das eigene Leben ausüben.
Diese Einflüsse bzw. Veränderungen erfordern Prozesse von den Menschen, die sie für sich durchlaufen müssen, um mit den neuen Situationen und Gegebenheiten umzugehen. Fühlt man sich dadurch überfordert kann dies dazu führen, dass man diese von vornherein ablehnt, ohne sich damit auseinandergesetzt zu haben. Ob die Einflüsse mit den daraus resultierenden Veränderungen positiv sind, spielen dann keine Rolle mehr. Vielmehr hält man lieber an bekannten Einstellungen, Sichtweisen bzw. Verhaltensmustern fest, die, weil man sie kennt, einem das Gefühl von Sicherheit und Stabilität vermitteln. Den gleichen Zweck, einem ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität zu suggerieren, verfolgen Menschen, wenn sie versuchen, in Veränderungssituationen einfache Erklärungen oder Lösungsansätze zu finden, weil dies für sie handhabbarer erscheint, als sich mit der Komplexität der Wirklichkeit zu beschäftigen. Beiden Verhaltensweisen ist gemein, dass Veränderungen, die nicht in das eigene Denkschema passen, ohne weiterreichende Auseinandersetzung Ablehnung erfahren.
Die Herausforderungen unserer heutigen Zeit sind aber in der Regel weder alleine noch nur nach den bekannten Mustern zu lösen. Vielmehr bedarf es neuer und innovativer Lösungsansätze, um sie bewältigen zu können. Im Zusammenspiel verschiedener Erfahrungshintergründe ist es oftmals einfacher, solche neuen Lösungsansätze zu finden. Deshalb erscheint es sinnvoll, den beiden zuvor unter den Punkten (a) und (b) beschriebenen Hemmnissen ein Stück weit entgegenzuwirken.
Vorwort
Zu diesem Zweck hat sich das Goethe-Institut Göttingen und der Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) zu dieser Broschüre entschlossen. Die Broschüre soll als kleiner Türöffner dienen, die „Anderen“ besser zu verstehen und zu erkennen, dass deren Hintergrund und Wissen mit dazu beitragen können, den bestehenden Herausforderungen der heutigen Zeit zu begegnen. Die Broschüre soll daher als Plädoyer für mehr Offenheit auf allen Seiten verstanden werden.
Im Goethe-Institut Göttingen lernen Menschen aus der ganzen Welt die deutsche Sprache. Die dort lernenden Schülerinnen und Schüler des Goethe-Instituts geben in der Broschüre einen kurzen Einblick zu ihrer Person und dem Land, aus dem sie kommen. Sie erzählen woher sie kommen, was ihr Land ausmacht, warum sie in Deutschland einen Deutschkurs besuchen, was sie mit ihrem hier erlernten Wissen in der Zukunft vorhaben, wie sie das Miteinander mit Deutschen empfinden und welche Unterschiede es zwischen ihrem Heimatland und Deutschland gibt.
Mobilität ist für alle Menschen als Teil der Daseinsvorsorge wichtig, die Ausgestaltung sowie die zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel können dabei aber je nach Herkunftsort sehr unterschiedlich sein. Um die Unterschiede, aber ebenso die Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, schildern Schülerinnen und Schüler des Goethe-Instituts Göttingen ihre Erfahrungen im Bereich der Mobilität.
Im Fokus stehen dabei, wie die Mobilität in ihrem Heimatland aussieht, welche Herausforderungen in der Alltagsmobilität für die dort lebenden Menschen bestehen, wie sie Mobilität in Deutschland wahrnehmen, welche Unterschiede sie zwischen ihrem Heimatland und Deutschland sehen und was sie sich für ihre Mobilität wünschen würden.
M. Menge (ZVSN Mobilitätsmanager)


